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Reclaim Feminism!

Unser Feminismus ist antirassistisch – Reclaim feminism
Aufruf zur bundesweiten Demo zum Weltfrauen*tag 2016 in Köln

WORÜBER GESCHWIEGEN WIRD
Das Jahr 2016 hat in vielen Städten Deutschlands mit Übergriffen auf Frauen* begonnen – auch in Köln. Sexualisierte Gewalt gegen Frauen* ist in der Silvesternacht sichtbar geworden – unübersehbar in die öffentliche Debatte gezerrt. Wieso plötzlich das mediale Interesse? Die Thematisierung ist richtig und wichtig. Den Betroffenen der sexualisierten Übergriffe von Silvester – und aller sexualisierten Übergriffe, die alltäglich passieren – muss jegliche gewünschte Solidarität und Unterstützung zukommen. Es ging dabei jedoch nicht vorrangig um die Benennung sexualisierter Gewalt, sondern um die vermeintliche Herkunft der Täter – und das unverhohlen rassistisch: Im Verlauf wurde schnell nicht mehr über Sexismus gesprochen, sondern über die Verschärfung des Asylrechts, Abschottung und Abschiebung. Ein gängiges Fazit: Nicht der Sexismus in diesem Land sei das Problem, sondern die zu uns Geflüchteten. Jedoch: Sexismus ist nicht nach Deutschland eingewandert, Sexismus ist hausgemacht. Er findet statt – schon immer, ständig und überall. Sexismus findet sich strukturell in unterschiedlich hoher Entlohnung, Benachteiligung aller Frauen*, speziell von Transfrauen und Frauen* of colour, am Arbeitsmarkt oder in unterschiedlichen Belastungen, bspw. durch Kinderbetreuung wieder. Er findet sich ebenso in sexistischer Werbung und in den Seminaren von sogenannten „Pick-up Artists“, in den Männer lernen, wie sie Frauen* gegen ihren Willen verfügbar machen. Nicht gesprochen wird über sexualisierte Gewalt, die in den eigenen vier Wänden stattfindet. So finden 90% Prozent aller Vergewaltigungen im nahen Umfeld statt, von Verwandten, Bekannten und (Ex-)Partnern. Nicht gesprochen wird über die alltägliche Sexualisierung und sexualisierten Übergriffe auf Frauen* of colour.

WORÜBER WIR SPRECHEN SOLLTEN
Statt sich in rassistischen Debatten über Täterschaft zu ergehen, sollte über die Funktion und Bedeutung von sexualisierter Gewalt und strukturellem Sexismus gesprochen werden – und das weltweit. Es sollte um den Rassismus und die andauernde Gewalt gegen Geflüchtete gehen, denn weiter gibt es täglich Anschläge gegen Unterkünfte.
Es muss über die Kriege gesprochen werden, an denen die BRD beteiligt ist. Über ihren brutalen Charakter, die Militarisierung nach Außen und Innen und ihre Fortsetzung in den Geschlechterverhältnissen. Diese Kriege vertreiben Menschen, zerstören ihre Lebensgrundlage und zwingen sie zur Flucht. Dafür trägt die menschenverachtende Politik der EU die Verantwortung – voran die BRD. Viele Frauen* und Kinder sind auf der Flucht und auf dem lebensgefährlichen Weg in Richtung Sicherheit und in den Geflüchtetenunterkünften in höchstem Maße sexualisierter Gewalt ausgesetzt. Viele Frauen*und Kinder müssen zurückbleiben und werden durch die Beschlüsse der deutschen Bundesregierung, wie im Asylpaket II, in lebensgefährlichen Kriegsgebieten oder an Europas Außengrenzen der Gewalt überlassen. Denn die Asylrechtsverschärfung, die die Regierung als Reaktion auf die sexualisierte Gewalt verkaufen will, trifft in Wirklichkeit Frauen* und Kinder weltweit am härtesten.
Innerhalb Deutschlands sind wir schon seit Jahren mit einem Backlash (also einem Rückschritt bei den feministischen Errungenschaften) konfrontiert. Dabei stellen Entwicklungen wie ungleiche Lohnbezahlung, Herdprämie, die Proteste der sogenannten Lebenschützer*innen, homo- und transphobe Mobilisierungen gegen sexuelle Bildung und Antidiskriminierungsarbeit an Schulen sowie die Akzeptanz sexualisierter Gewalt nur eine kleine Auswahl dar. Aktuell werden diese in rassistischen und antifeministischen öffentlichen Debatten deutlich. Rechtspopulistische Parteien und neonazistische Gruppierungen erfahren einen Aufschwung, werden hoffähig gemacht und benutzt, um eine rassistische Politik durchzusetzen.

WAS WIR FEIERN
Wir feiern kämpferische Frauen* und Frauen* in Kämpfen, die zeigen, dass eine solidarische, befreite Zukunft möglich ist. So beispielsweise die Frauen, die in der Revolution im kurdischen Rojava im Norden Syriens aktiv sind.
Wir feiern alle, die in Frauen*häusern arbeiten oder Geflüchtete unterstützen.
Wir feiern all die mutigen Frauen*, Lesben, Trans* und Inter*personen, die sich einer hierarchischen Geschlechterordnung widersetzen.
Wir feiern all jene, die Zäune überwunden haben und die Festung Europa kurzzeitig ins Wanken gebracht haben – jetzt erst recht!
Organisieren wir uns global, ohne Grenzen!
Wir wollen eine herrschaftsfreie Gesellschaft ohne Ausbeutung, ohne Ausgrenzung, ohne den sexistischen und rassistischen Normalzustand. Wir wollen Solidarität und Respekt untereinander.
Es lebe die Verschiedenheit!
Im Rahmen des internationalen Frauen*kampftages wollen wir unseren Protest sowohl gegen Sexismus als auch Rassismus entschieden, laut und kämpferisch auf die Kölner Straßen tragen: Unser Feminismus ist antirassistisch – erst recht nach den Übergriffen der Silvesternacht.

Wir sehen uns bei der bundesweiten Demo am 12.3.2016 in Köln!

Anmerkungen:
- Frauen* soll einerseits auf die Konstruiertheit von binären Geschlechtern hinweisen. Außerdem zeigt es auf, dass es nicht DIE Frauen gibt, sondern dass der Begriff „Frau“ für viele verschiedene Identitäten und Lebensentwürfe stehen.
- Trans* (auch: trans* Mensch, trans* Person) = Relativ neuer, im Deutschen zunehmend verbreiteter Sammelbegriff, der nach dem Vorbild von Suchmaschinen und Programmiersprachen das Sternchen (As – terisk) als Platzhalter für verschiedene mögliche Endungen nutzt (transgender, transident, transsexuell). Diese Offenheit soll auf die Vielfalt transgeschlechtli cher und anderer nicht der Norm entsprechender Geschlechtsidentitäten, Selbst bezeichnungen und Lebensentwürfe hinweisen, d.h. etwa auch Crossdresser, weder*noch* u.a. einschließen (Quelle: www.transinterqueer.org)
- Inter*(auch Inter*mensch, Inter*person), in der Inter* Community geprägter emanzipatorischer Sammelbegrifffür die Vielfalt intergeschlechtlicher Realitäten und Körperlichkeiten. (siehe Trans*)
- Wir sind uns bewusst, dass auch Frauen* Täterinnnen sexualisierter Gewalt sein können. Wir sprechen aber im Text von Tätern, da statistisch gesehen 95-99% der Vergewaltigungen von Männern verübt werden (Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend). Ebenso sind wir uns bewusst, dass auch Jungen und Männer, speziell Männer of colour genauso auch von sexualisierter Gewalt betroffen sein können.

Seite der Kampagne
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Letzte Infos zum Widerstand gegen „Return of Kings“

LETZTE INFOS

gibts vor Ort. Vor Ort heißt: Ab 19 Uhr am Münsterplatz. Bitte richtet es ein, vor eventuellen anderen Aktivitäten zuerst dorthin zu kommen.

>>Facebook-Veranstaltung

UPDATE 2: Widerstand gegen „Return of Kings“

UPDATE 2

Angeblich sollen alle Events weltweit abgesagt worden sein. „Return of Kings“ schreibt auf ihrer Website, die Sicherheit der Teilnehmer sei nicht zu gewährleisten. Das ist den massiven Protesten, die sich in vielen Städten angekündigt haben, zu verdanken.

Allerdings glauben wir das nicht so einfach. Auch wenn das einige ihrer Anhänger selber verwirren wird, kann das auch ein Manöver sein. Wir kennen ein solches Verhalten von Neonazi-Aufmärschen, wo auch gerne im Vorfeld Verwirrung gesäht wird um Gegenproteste zu schmälern.

Lasst euch also bitte nicht davon abhalten, Samstag auf den Katschhof und / oder zur Kundgebung zum Münsterplatz zu kommen.

Updates zum Widerstand gegen „Return of Kings“

Hier gehts zum ersten Teil – „Kein platz für Vergewaltiger!“

Auf dem Katschhof ist das Karnevalszelt vom Öcher Penn. Ob sich die „Return of Kings“-Anhänger dort drin, davor oder dahinter sammeln wollen bleibt abzuwarten – vermutlich aber wissen sie ebensowenig wie wir.

Wir haben am Münsterplatz im Zeitraum 19-21 Uhr eine Kundgebung angemeldet. Der Münsterplatz ist der Platz vor dem Dom, wegen der Veranstaltung des Öcher Penn war es leider nicht möglich auf dem Katschhof selber einen Ort zu bekommen. Wir rufen weiter dazu auf, auf dem Katschhof Präsenz zu zeigen. Die Kundgebung dient als Anlaufpunkt für Menschen, die Infos brauchen, ebenso für Menschen, die sich unsicher fühlen. Von der Kundgebung aus werden wir Passant*innen mit Aufklärungsflyern versorgen und für die Teilnahme an ONE BILLION RISING 2016 – Für eine Welt ohne Gewalt, Sexismus und Ungleichheit! werben.

Die Polizei hat sich unser Konzept abgeguckt und wird – ebenso wie wir – versuchen herauszufinden, wer zu „Return of Kings“ gehört. Es besteht die Möglichkeit, dass es einige von uns treffen wird, die den Codespruch sagen. Sie werden euch Platzverweise geben. Ihr habt dann das Recht, dann zur angemeldeten Kundgebung zu gehen. Sollten Vergewaltigungsbefürworter dort auftauchen, werden wir sie gebührend wegschicken. Bitte verzichtet bei der Kundgebung auf Film- oder Fotoaufnahmen. Im Rahmen des Nötigen wird das von Veranstalter*innenseite sichergestellt.

Unser Ziel ist und bleibt es, die Gründung einer lokalen „Return of Kings“-Supportergruppe zu verhindern. Wir sind zuversichtlich, mit eurer Hilfe dieses Ziel zu erreichen. Doch „Return of Kings“ ist nur die Spitze eines frauenfeindlichen Eisbergs. Es gibt viele anstehende Aufgaben, und jede und jeder von euch, die*der mit anpacken möchte, ist herzlich willkommen. Wenn alles vorbei ist – nach „Return of Kings“-Angaben wollen die sich um 20:20 Uhr verpissen, bleibt sicherheitshalber lieber bis 20:30 auf dem Katschhof – seid ihr herzlich eingeladen zur Kundgebung zu kommen. Von dort aus können wir zu einem netten Ort gehen und schauen, wie wir feministische Themen und Inhalte künftig wieder kräftig in den Alltag werfen können. Das gilt natürlich nur für den Fall, dass sich keine „Return of Kings“-Gruppe irgendwohin auf den Weg macht. Sollte das der Fall sein werden wir ihnen folgen und so lange nerven, bis sie aufgeben.

Generell gilt: Alles kann sich noch kurzfristig ändern. Über diese Veranstaltung werden wir euch auf dem Laufenden halten.

Der Kampf gegen Rassismus und nationale Unterdrückung in Sri Lanka

Seit dem Sieg der Regierungstruppen über die tamilische Rebellenbewegung der „Befreiungstiger“ herrscht offiziell Frieden in Sri Lanka. Doch tatsächlich werden die Minderheiten der Tamil*innen und Muslim*innen massiv benachteiligt und brutal unterdrückt. Die Regierung Sri Lankas heizt unter der singhalesischen Mehrheitsbevölkerung Rassismus an und versucht, mit der Spaltung entlang ethnischer und religiöser Linien von sozialen Problemen und Armut im Inneren abzulenken.

Wir haben Siritunga Jayasuriya zu Gast, der über die Situation in Sri Lanka berichten wird und über Perspektiven jenseits von Armut, Ausbeutung, Rassismus und nationaler Unterdrückung. Siritunga Jayasuriya ist Generalsekretär der United Socialist Party, (Mitglied im Komitee für eine Arbeiterinternationale, in Deutschland: Sozialistische Alternative SAV), die in Sri Lanka für einen vereinigten Kampf der Arbeiter*innen, armen Bäuer*innen und Jugendlcihen eintritt und sich für deren Interessen auf beiden Seiten einsetzt.
Die Veranstaltung ist öffentlich. Interessierte sind herzlich eingeladen, daran teilzunehmen.

Donnerstag, den 4.2. 2016 (Fettdonnerstag) um 19 Uhr
im Linken Zentrum, Augustastraße 69, Aachen (Nähe ASEAG-Haltestelle Scheibenstraße)