Archiv für Februar 2015

One Billion Rising 2015

Auch 2015 war One Billion Rising in Aachen wieder erfolgreich. Ein Bericht von einem unserer Aktiven findet ihr hier: *click*

Bilder gibt’s bei Facebook: *click*

Hier veröffentlichen wir die Redebeiträge unserer Aktivistinnen:

Sexuelle Belästigung (von Sina, gehalten für die Junge Gruppe im Frauennetzwerk):

Gewalt fängt nicht erst bei körperlicher Gewalt an. Sexuelle Belästigung ist eine Form von Gewalt, die selten als solche benannt wird. Oft trauen sich Betroffene nicht ihr Unbehagen zu äußern, aus Scham oder Angst als prüde oder humorlos zu gelten, oder die Unsicherheit ob das erlebte schon als Belästigung gewertet werden kann. Das ist psychisch belastend, verunsichert, bringt die Betroffenen in Angst- und Stresssituationen. Von Belästigenden wird entsprechendes Verhalten oft als Flirt verteidigt. Als Antwort kommen dann Trotzreaktionen wie z.B. von Wolfgang Kubicki, der nach der Brüderlesache sagte er würde nun generell keine Journalistinnen mehr im Auto mitnehmen. Es wird gesagt, Männer würden sich nicht mehr trauen zu flirten. Dabei unterscheidet sich Belästigung grundlegend von Flirts und Komplimenten. Sexuelle Belästigung ist beleidigend oder erniedrigend. Bei sexueller Belästigung geht es nicht um Sexualität sondern um Macht. Das Verhalten ist dabei einseitig und wird von den Betroffenen als entwürdigend und abwertend empfunden. Häufig werden Abhängigkeitsverhältnisse ausgenutzt, wo die Betroffenen sich nicht trauen sich zu wehren aus Angst vor Arbeitsplatzverlust oder Nachteile für Beförderungen oder Benotungen. Das wird zuweilen bewusst ausgenutzt durch Versprechungen von Belohnungen oder Androhung von Repressalien. Sie ist aber auch ein Mittel um z.B. Kolleginnen einzuschüchtern und die eigene Überlegenheit zu demonstrieren. Gerade im Konkurrenzkampf ist Belästigung ein Mittel um Kolleginnen zu verunsichern und sich somit einen Vorteil zu verschaffen. Daher ist es notwendig sexuelle Belästigung nicht zu bagatellisieren, sondern als psychische Gewalt zu benennen und Betroffene ernst zu nehmen.

Sexistische Werbung (von Sina, gehalten für die Junge Gruppe im Frauennetzwerk):

Die Darstellung von Geschlechterstereotypen in der Werbung verbreitet und zementiert ein Weltbild, in dem Frauen sexuell verfügbar und leicht zu haben sind. Männer dagegen dürfen keine Gefühle zeigen. Es wird als männlich dargestellt in Frauen sexuelle Lustobjekte zu sehen.
Warum ist das ein Problem? Durch die Darstellung von Frauen als Dekoration entsteht ein Bild von geringer Kompetenz und Dümmlichkeit. Ein sexistisches Frauenbild erschwert es Frauen ein gutes Selbstwertgefühl und Selbstsicherheit aufzubauen. Das ist psychisch belastend und führt zu Unsicherheit, Selbstunterschätzung und Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse. Folge ist, dass viele Mädchen und Frauen ein negatives Körpergefühl besitzen bis hin zu Essstörungen. Sexuelle Anziehung wird als höchster oder gar einziger Wert von Frauen dargestellt. Weibliche Körper oder Körperteile ohne Produktbezug reduzieren Frauen auf einen Gegenstand zum sexuellen Gebrauch. Frauen werden entmenschlicht und objektifiziert. Als Folge sinkt die Hemmung zu übergriffigem Verhalten gegenüber Frauen. Sexuelle Gewalt wird bagatellisiert, da weibliche Körper als Unterhaltungsgut wahrgenommen werden anstatt als würdige Menschen. Daher ist unsere Forderung geschlechtsdiskriminierende Werbung zu verbieten.

Kampf gegen Sexismus und seine Ursachen (von Marleen, gehalten für linksjugend [’solid] Aachen):

Wir möchten heute gemeinsam mit euch und Millionen anderer Menschen rund um die ganze Welt aufstehen. Für eine Welt ohne Diskriminierung, ohne Gewalt und ohne Unterdrückung. Doch wie ist das möglich in einer Welt, die quasi aus Unterdrückung besteht?
Wir werden in sie hinein geboren und lernen schon früh, dass es Normen gibt an die wir uns zu halten haben. Zu diesen Normen gehören unterdrückende Rollenbilder. Männliche Wesen werden assoziiert mit der Ratio, dem Verstand, während weiblichen Wesen Emotionen, die Gefühle, zugeschrieben werden. Dabei wird der Verstand als höherwertig angesehen. Das wird als Dualismus bezeichnet.
Auf diese Weise sozialisiert erfüllen wir tagtäglich die damit verbunden Rollenbilder, die auch unsere Berufswahl beeinflussen. Es gibt passend zu den dualistischen Rollenbildern Berufe, die eher den Verstand oder Emotionen ansprechen. Die Welt des Kapitalismus, also des profitorientierten Marktes, entlohnt Leistung mit Geld. Auffällig ist, dass typisch weibliche, also emotional besetzte Berufe wie im Einzelhandel, der Pädagogik oder der Pflege schlechter bezahlt werden als typisch männliche. Hinzu kommt, dass es selbst bei gleicher Arbeit vorkommt, dass Frauen durchschnittlich 12% weniger für die gleiche Arbeitszeit und Leistung erhalten als ihre männlichen Kollegen. Und während Männer in Frauenberufen gute Aufstiegschancen haben werden Frauen in Männerberufen diese häufig verwehrt. Eine Arbeitsstelle anzunehmen wird damit für Frauen unattraktiv und die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich für Heirat und Familie entscheiden wächst.
Vielen Frauen ist es in unserer Gesellschaft dadurch oft gar nicht erst möglich arbeiten zu gehen und eigenes Geld zu verdienen. Hausarbeit und Kindeserziehung sind mit der Ratio des männlichen Rollenbildes nicht vereinbar und werden daher zu zweidritteln von Frauen erledigt. Somit werden durchschnittlich 100 Minuten mehr Arbeit pro Tag im Haushalt übernommen als durch Männer. Geld erhalten sie für diese Arbeit nicht, obwohl diese den Kapitalismus erst möglich macht. Ohne sie wäre der/die PartnerIn nicht frei arbeiten zu gehen.
Auch wenn eine Frau die Möglichkeit bekommt genauso wie ihr Partner einer Arbeit nachzugehen muss sie danach oft zusätzlich zu dieser auch noch den Haushalt erledigen und ist doppelt belastet. Einen zeitlich anspruchsvollen Job muss sie sich auch erst einmal leisten können wenn sie gleichzeitig den Wunsch nach einer Familie hat. Denn wenn der/die PartnerIn die Betreuung nicht übernimmt muss genug Geld vorhanden sein, damit eine Kinderbetreuung bezahlt werden kann.
Wie eben beschrieben wird durch den profitorientierten Kapitalismus die Bevölkerung mit Hilfe von Sexismus nach dem Prinzip von „Teile und herrsche“ gespalten. Wir alle müssen unsere Arbeit in diesem System verkaufen. Dabei sagt die Gehaltsabrechnung etwas über den kapitalistischen Wert dieser Arbeit aus und führt zu einer Ungleichstellung. Auf die gleiche Art und Weise bedient sich der Kapitalismus Rassismus, Homophobie, Nationalismus und anderen Unterdrückungsformen. Wir werden alle gegeneinander ausgespielt und verlieren den Blick für unsere gemeinsamen Interessen.
Lasst uns zusammen aufstehen und standhaft bleiben. Gegen Sexismus, gegen Rassismus, Homophobie und Kapitalismus. Für eine Welt in der Jede und Jeder leben kann. In Freiheit.

AUFSTEHEN! Für Gleichbehandlung!

Feministische Veranstaltungsreihe
(jeweils um 19 Uhr im Linken Zentrum Aachen, Augustastraße 69

10.2. | Mein Körper gehört mir!
In Spanien hat eine Massenbewegungen eine geplante drastische Verschärfung der Abtreibungsgesetze verhindert. In Irland ist nach dem Tod ein>>Facebooker Schwangeren, der die Abtreibung verweigert wurde, eine ähnlich mächtige Bewegung entstanden.
Was haben diese Bewegungen erreicht, was bleibt zu tun? Wie konnten sie es schaffen Betroffene und UnterstützerInnen zusammen zu bringen und zu organisieren? Was können wir daraus für Kämpfe gegen rechte „Pro Life“-Fundis und
Diskriminierung von Betroffenen in Deutschland lernen?
Dazu hören wir Berichte von Aktivistinnen aus Spanien und Irland.

17.2. | Das Frauenbild von PEGIDA, AfD & Co
Sie reden von Freiheit, behaupten sie würden gegen die Unterdrückung der Frau in einem rückständigen Islam kämpfen. Gleichzeitig kämpfen sie gegen „Gender Mainstreaming“, vertreten ein rückwärtsgewandtes „Frauen an den Herd“-Rollenbild und kommen aus dem Rotlichtmilieu.
Sie nutzen Sorgen vor gesellschaftlichen Rückschritten aus und schüren Hetze gegen Nichtdeutsche. Wir dagegen kämpfen mit Betroffenen, unabhängig von Herkunft oder Religion, für gleiche Rechte und Gleichbehandlung.
Das Frauenbild von PEGIDA, AfD & Co ist ähnlich konservativ wie von so manchem religiösen Fundamentalisten.
Diese These wollen wir belegen und mit euch diskutieren, was man gegen die Fundamentalisten beider Lager tun kann.

24.2. | Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!
Frauen bekommen in Deutschland durchschnittlich 22% weniger Lohn als Männer. Bei gleicher Tätigkeit im gleichen Betrieb beträgt die Lohndifferenz immer noch 12%. Diese Differenz wird „Gender Pay Gap“ genannt. Es führt dazu, dass Frauen im Durchschnitt erst am 20. März 2015 das Gehalt eines männlichen Kollegen aus dem Jahr 2014 erreichen.
Gewerkschaften, Sozialverbände, feministische und linke Gruppen kämpfen mit dem Slogan „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ dagegen an. Wir wollen eine Welt, in der Ungleichbehandlung ein Relikt der Vergangenheit ist.
Reicht „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“, um dieses Ziel zu erreichen? Wie kommt es eigentlich zum „Gender Pay Gap“?
Diese und andere Fragen wollen wir mit Andrea Carvallo, DGB-Jugendsekretärin für unsere Region, diskutieren.

3.3. | Feminismus im 21. Jahrhundert: Welcher Weg zur Emanzipation?
Heute wird uns suggeriert, dass die Emanzipation zumindest in den ökonomisch fortgeschrittenen Ländern der Welt erreicht sei. Frauen als Kanzlerin und als Kriegsministerin seien Fortschritte, ebenso wie die Quote in den Vorständen großer Konzerne. Doch ist das wirklich so? Leben wir heute in einer Gesellschaft ohne Ungleichbehandlung, ohne Sexismus? Ist der Feminismus etwa veraltet? Können einige wenige Frauen an der Spitze von Staat und Wirtschaft etwas an der Benachteiligung und Unterdrückung von Frauen insgesamt ändern?
Wir wollen darüber diskutieren, wie wir eine Gesellschaft frei von Ausbeutung, Unterdrückung und Ungleichbehandlung für Alle erreichen können. Es soll über verschiedene Wege und Ansätze des Femismus diskutiert werden, wie über die Frage des Zusammenhangs von Sexismus und anderen Formen der Ungleichbehandlung und Unterdrückung. Immer mit dem Ziel, diese Gesellschaft der Gleichheit und Emanzipation für Alle zu erreichen.