Archiv für Februar 2014

One Billion Rising: Lauter Protest in Aachen

100 protestieren gegen sexualisierte Gewalt und Sexismus

Auch 2014 fanden am 14. Februar weltweit Proteste im Rahmen der „One Billion Rising“-Kampagne statt. Der Kampagnename (deutsch: Eine Milliarde erhebt sich) spielt damit auf die Zahl der von Vergewaltigung und sexualisierter Gewalt betroffenen Frauen an.

Denn weltweit muss jede dritte Frau Vergewaltigung oder schwere sexualisierte Gewalt erleiden. Das entspricht mindestens einer Milliarde Frauen. Um das zu skandalisieren, Betroffene zusammen zu bringen und ihnen so neues Selbstbewusstsein zu geben und effektive Schutzmaßnahmen zu fordern, hat sich die Kampagne 2013 gegründet und am 14. Februar Menschen auf dem ganzen Globus auf die Straße gebracht. Daran sollte dieses Jahr angeknüpft werden.

Zur Aachener Kundgebung kamen trotz kurzer Mobilisierungszeit und miserablem Wetter 100 Menschen zusammen! Angestoßen von mehreren AktivistInnen hatte linksjugend [’solid] die Organisation übernommen.

Dabei wurde zum einen getanzt. Der Tanz ist ein wichtiger Bestandteil der One Billion Rising-Kampagne. Denn über das Tanzen sollen Betroffene aus der Vereinzelung geholt werden. Darüber hinaus gab es mehrere Redebeiträge.

Marie und Antonia, die die Kundgebung mitorganisiert hatten, erklärten die zentralen Forderungen der Kampagne (LINK OBR-Site):
- Schutz und Unterstützung für Betroffene sexualisierter und häuslicher Gewalt,
- die Sicherstellung materieller Unabhängigkeit durch Grundsicherung und bedingungsloses Bleiberecht für Betroffene mit Migrationshintergrund sowie
-effektive Maßnahmen gegen die Verbreitung sexistischer Rollenbilder in Medien und Werbung.

Janina von der jungen Gruppe des Frauennetzwerks ging besonders auf die Verbreitung von sexistischen Rollenbildern in der Werbung ein: „Reduziert werden wir auf eine einzige Funktion. Sex sells. Damit werden wir Frauen zu Objekten. Das ist respektlos. Das ist Sexismus; das ist der Ursprung von Übergriffen und Gewalt an Frauen im Alltag.“

Chris von linksjugend [’solid] skandalisierte in seinem Redebeitrag die Diskriminierung von Menschen ohne deutschen Pass. Besonders jenen, denen das Recht arbeiten zu gehen verwehrt wird, bleibt selten etwas anderes als schwarz zu arbeiten – für Frauen heißt das oft Prostitution. Und weil jederzeit die Abschiebung droht, sind sie der Gewalt und Willkür von Freiern und Zuhältern in noch krasserem Maße ausgesetzt als Prostituierte mit deutschem Pass.

Marika von der LINKEn benannte Diskriminierungen von Frauen am Arbeitsplatz. Die fängt bei Lohnunterschieden an (Frauen verdienen in Deutschland im Durchschnitt 22% weniger Lohn als Männer), führt aber oft auch zu Mobbing oder gar Übergriffen. Insbesondere bei männlichen Vorgesetzten ist die Hürde, sich zu wehren und die Angst vor Verschlimmerung oder Jobverlust hoch.
Außerdem forderte Marika eine einheitliche, am Notwendigen orientierte Finanzierung von Frauenhäusern.

Ferda, die im letzten Sommer in der Türkei an den Massenporotesten teilgenommen hatte, berichtete über die Lage von Frauen in den Türkei. Die Regierung unter Premier Erdogan rückt weiter nach rechts und versucht dabei auch wieder stärker konservative „Werte“ zu setzen, die Frauen aus dem öffentlichen Leben verbannen und an Mann, Haus und Herd fesseln würden. In der Bewegung, die im Sommer letzten Jahres im Istanbuler Gezi-Park begann, standen und stehen Frauen mit in der ersten Reihe und kämpfen um ihre Rechte.

Als letzten Beitrag erklärte Marie in einem Redebeitrag wie Sexismus immer und überall auf uns einströmt und entsprechend reproduziert wird. „Solange die Nachricht gesendet wird, dass man durch ein Verhalten die Frau bekommen kann, werden Menschen versuchen, den kurzen Weg zu nehmen, um die Frau zu bekommen. Und dieser kurze Weg heißt Gewalt.“

Zum Abschluss trat die Samba-Combo „Aixotic Sambistas“ auf und sorgte für gute, ausgelassene Tanzstimmung. Auch wenn viele belastende Punkte angesprochen wurden, war die Kundgebung doch ein Erfolg, denn Menschen, die etwas ändern wollen sind zusammengekommen und haben gemerkt, dass sie nicht alleine sind.

Mit einer Plakatserie wurden schon im Vorfeld Statements gesammelt, warum es wichtig ist aufzustehen. Diese Plakate wurden im Elisenbrunnen aufgehängt und auch spontan beteiligten sich noch Leute, sodass der Elisenbrunnen am Ende wie eine Galerie geschmückt war.

Von Chris




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One Billion Rising!

Gewalt gegen Frauen, Sexismus und Diskriminierung konsequent bekämpfen!

Jede dritte Frau weltweit wird im Laufe ihres Lebens vergewaltigt oder muss andere Formen sexualisierter Gewalt erleiden. Das sind eine Milliarde betroffene Frauen.

Dabei ist Deutschland keine Ausnahme: In Aachen müssen Frauenhäuser wegen Überfüllung und Unterfinanzierung Betroffene abweisen. Dass Frauen durchschnittlich 22% weniger Lohn verdienen, macht sie in vielen Beziehungen und Familien ökonomisch abhängig vom Mann – selbst wenn dieser übergriffig ist. Und sexistsiche Werbung, wohin man auch schaut, tut ihr Übriges und vermittelt das Rollenbild einer sich fügenden Frau.

Es gibt aber ebenso positive Entwicklungen: Mit dem Hashtag #Aufschrei berichteten Betroffene Anfang 2013 auf Twitter über ihre Erfahrungen und lösten damit eine breite gesellschaftliche Debatte aus. Im September gab es erstmals eine bundesweite Demo gegen sexistische Außenwerbung in Berlin. Und mit den Streiks im Einzelhandel zeigten vor allem Frauen dass sie mehr verdient haben als miese Löhne und Arbeitsbedigungen.

Am 14. Februar erheben sich Frauen und Männer weltweit, um ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Sexismus zu setzen. Die internationale Initiative „One Billion Rising“ ruft zu Kundgebungen und Aktionen rund um den Globus an diesem Tag auf.

Aachen ist dabei! Treffpunkt ist 17 Uhr, Elisenbrunnen.
Mach mit!!!

Es wird Reden, Infotische, Schilder und Transparente geben. Ihr seid alle eingeladen, mit euren eigenen Schildern, Transparenten, Fahnen etc. teilzunehmen! Außerdem seid ihr alle eingeladen, am offenen Mikro eure Erfahrungen und Beiträge mitzuteilen.

Facebook-Event der Kundgebung: facebook.com/events/1459765607584977/

Check auch onebillionrising2014.de/

Choreographie lernen: facebook.com/events/654887631238368/

Gutes Essen für Alle statt Lebensmittelvernichtung

Es ist nicht lange her, dass in den Medien über die Flüchtlingstragödie vor Lampedusa berichtet wurde. Auf die Ursachen, warum Menschen aus „Entwicklungsländern“ fliehen, wurde eher wenig eingegangen: Die existenzbedrohende Armut, also unter anderem der Mangel an Lebensmitteln, der die Betroffenen zur Verzweiflung bringt.
Immer wieder kommen Skandale der Lebensmittelindustrie (BSE, Antibiotika in Massentierhaltung, Einsatz gefährlicher Pestizide, gesundheitsschädliche Zusatzstoffe) ans Tageslicht.
 All das halten wir für gute Gründe, sich mit der Nahrungsmittelproduktion einmal genauer zu beschäftigen.

Ein weltweites Problem
Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) leiden weltweit 840 Millionen Menschen an Hunger, das ist fast jeder achte Mensch der Weltbevölkerung. Über 8 Millionen Menschen sterben sogar jährlich an den Folgen ihrer Unterernährung, das sind mehr als durch Tuberkulose, AIDS und Malaria zusammen. Betroffen sind vor allem Menschen in den sogenannten Entwicklungsländern: In Asien über 500 Millionen, in Afrika über 200 Millionen, in Lateinamerika zirka 50 Millionen und im Nahen Osten fast 40 Millionen. Es gibt zeitweise Hungernde (beispielsweise durch Naturkatastrophen, Kriege, …) und chronisch Hungernde. Letztere machen die große Mehrheit der Hungernden aus.
Gleichzeitig werden in großem Maße Lebensmittel weggeworfen: Zirka 1,3 Milliarden Tonnen sind es jährlich, in Deutschland mindestens 11 Millionen Tonnen. Das sind fast 200kg pro Mensch oder ⅓ der weltweiten Nahrungsmittelproduktion. Auch in den „Entwicklungsländern“ landen Nahrungsmittel im Müll, dabei ist der Anteil derer, die in Haushalten weggeworfen werden, geringer als in den „Industrieländern“. Lebensmittelvernichtung passiert bei VerbraucherInnen, in der Lebensmittelindustrie, in Supermärkten und Gastronomie, in der Landwirtschaft und beim Transport…
Die Folgen liegen auf der Hand: Verschwendete Arbeit, vergeudete Ressourcen, Umweltverschmutzung, unnötige CO2-Emissionen usw.

Profit macht hungrig
Doch woran liegt es, dass Millionen von Menschen hungern und gleichzeitig tonnenweise Lebensmittel im Müll landen?
Zunächst einmal fällt bei existenzbedrohender Armut heutzutage auf, dass sie nicht an mangelnder Produktivität liegt – die Menschen haben schlicht nicht genug Geld, um sich das Nötigste zum Leben zu leisten. Früher verhungerten Menschen wegen Missernten, heute quasi vor vollen Warenhäusern!
Selbst die Erfüllung existentieller Bedürfnisse ist im Kapitalismus nicht garantiert, wie es die hungernden Menschen beweisen. Die Vermehrung von Geld hat ausdrücklich Vorrang, auch auf rechtlicher Ebene. Der Staat schützt das Eigentum und bestraft diejenigen, die sich aus Hunger etwas zu Essen stehlen und nicht die, die den Hungernden das Essen vorenthalten!
Nahrungsmittel sind Eigentum von Firmen, die diese gewinnbringend verkaufen wollen. Und wer keinen profitablen Preis bezahlen kann, bekommt das, was sie oder er braucht, eben nicht. Und das ist auch der Zweck der kapitalistischen Wirtschaft: Nicht, die Menschen mit guten und praktischen Gütern zu bereichern, sondern mit ebendiesen Profit erzielen. Auch die zahlreichen Lebensmittelskandale illustrieren dies.
Die Kalkulation von Unternehmen ist kein Rätsel: Alles, was etwas kostet, schmälert den Gewinn und das hat Konsequenzen. So spart man mit Massentierhaltung Fläche, genauso mit Einsatz von Antibiotika an Tieren und Pestiziden auf Feldern. So werden Wälder gerodet, weil dort die landwirtschaftliche Produktion gerade günstig ist. Und den in der Landwirtschaft Beschäftigten werden natürlich eine möglichst niedrige Bezahlung und schlechte Arbeitsbedingungen zugemutet.
Wenn nun alle Menschen genug Geld hätten wäre es ja einigermaßen okay. Aber so ist es nicht: Die große Mehrheit der Menschen in den „Entwicklungsländern“ arbeiten zu Niedrigstlöhnen oder sind gar arbeitslos. Das liegt eben daran, dass sie für Unternehmen entweder gar nicht oder nur mit ganz miesen Löhnen rentabel sind. Diese extreme Armut ist Folge der Kalkulation der Großkonzerne, die die Welt in Standorte einteilen, die unter bestimmten Bedingungen mehr oder weniger rentabel für sie sind. (mehr…)