PM: Sexistische Werbung endlich als Problem wahrnehmen – und bekämpfen!

Wieder einmal ist in Aachen sexistische Werbung der übelsten Art aufgetaucht: Auf großflächigen Plakaten wird für Bordelle in Erkrath und Dormagen geworben – mit Slogans wie „der größte in Europa“ und „die Flatrate-Sensation“. Das ist nichts neues: Seit ihrem Bestehen wehrt sich die linksjugend [’solid] Aachen gegen sexistische Werbung. Dabei ist Bordell-Werbung nur die Spitze des Eisbergs. Im Juli und August letzten Jahres plakatierte die Würselner „Eichhörnchen-Bar“ flächendeckend Plakate – Slogan: „Spaß ab 35 Euro“ (Infos). 2011 war es ein Großbordell bei Düren, das gleich mehrfach die Gegend zumüllte.

Sexistische Werbung gibt es nicht nur bei Bordellen. So wirbt ein Aachener Baustoffmarkt auf Bussen vollkommen legal mit kaum belkleideten Models für seine Waren. Stellt sich die Frage, was das eine mit dem anderen zu tun hat. Der Kosmetikkonzern Axe wirbt regelmäßig mit Slogans wie „Je sauberer Du bist, desto dreckiger wird’s“. „Minirock-Parties“, wo leicht bekleidete Frauen freien Eintritt erhalten, vermitteln ein sehr kritisches Bild vom Feiern. Und: Offensichtlich haben die Organisatoren solcher „Partys“ große Probleme, Frauen für ihre Events zu begeistern. Auch hierfür wird regelmäßig massiv plakatiert.
Gemein haben diese Kampagnen, dass sie ein Bild von Frauen als ständig verfügbares und williges Sexobjekt vermitteln. Das weist die linksjugend [’solid] Aachen entschlossen zurück. AktivistInnen der Jugendgruppe leisten im Rahmen ihrer Möglichkeiten Widerstand: Durch Zerstörung oder Überklebung sexistischer Werbung, durch antisexistische und feministische Aktionen, durch Gegeninformation und Veranstaltungen. Am 14. Februar nahmen in Aachen zum „One Billion Rising“-Aktionstag gegen sexualisierte Gewalt 200 Menschen an einer Kundgebung teil (Infos).

Dass die Stadt dennoch zulässt, dass Frauen systematisch zu Sexobjekten degradiert werden, ist bezeichnend. Dass selbst illegal geklebte sexistische Werbung geduldet wird, ist beschämend. Doch es sagt viel aus: Offensichtlich nehmen die Verantwortlichen bei der Stadt das Problem nicht ernst. Sie sind keine Verbündeten im Kampf gegen Sexismus. Etwas zu ändern, liegt an uns und allen, die den sexistischen Normalzustand brechen wollen.
Auch im aktuellen Fall der Bordellwerbung haben wir im Rahmen unserer Möglichkeiten Plakate zerstört oder entfernt. Wir rufen dazu auf, sexistische Werbung nicht als Teil der Normalität wahrzunehmen – sondern überall, wo sie auftaucht, dagegen vorzugehen. Oft reichen dazu Aufkleber, Plakate, Edding oder Sprühdose und eine kreative Idee.
Sexistische Werbung ist dabei nur Ausdruck eines tieferliegenden Problems. Sexismus in verschiedensten Formen ist Alltag, Prostitution dabei nur eine besonders heftige Ausdrucksform. Um sie wirkungsvoll zu bekämpfen, muss an der Grundlage angesetzt werden: Ausreichend gute, gesellschaftlich sinnvolle Arbeitsplätze und kostenlose Qualifizierungsmaßnahmen müssen her, Frauenhäuser und Ausstiegsprogramme müssen ausgebaut werden, alle rassistischen AusländerInnengesetze müssen abgeschafft werden. Der sexistische Normalzustand ist der kapitalistische Normalzustand, den wir bekämpfen.

Linksjugend [’solid] Aachen läd alle Menschen, die mit uns aktiv werden wollen ein, mitzumachen. Wir treffen uns jeden Dienstag um 19 Uhr im Linken Zentrum Aachen, Augustastraße 69.


Sexistische Werbung: Weg damit!

>>Artikel in den Aachener Nachrichten