Homophober Hetze keine Bühne!

Gegen das Elephant Man-Konzert am 15. März in Aachen!

“Queers must be killed! Take them by surprise / Get a shot inna yu head, inna mi big gun collide”
Elephant Man, „We Nuh Like Gay“

Für den 15. März ist im Aachener Jakobshof ein Auftritt des Jamaikaners O‘Neil Bryant, besser bekannt als “Elephant Man”, geplant. Er ist eine feste Größe in der internationalen Ragga- und Dancehall-Szene.

Und?
Vielleicht noch besser bekannt ist er aber für seine sogenannten “Battyman-Tunes”. Darunter versteht man eine Richtung in der Ragga- und Dancehall-Kultur, die sich durch übelste Hetze vor allem gegen Schwule, aber auch gegen Lesben-, Bi- und Transsexuelle Menschen auszeichnet. Nicht selten wird in diesen Liedern offen zum Mord und zur Verfolgung von Schwulen aufgerufen.

Hintergrund
In Jamaika ist Homosexualität bis heute strafbar. Und auch die Rastafari-Religion, die großen Einfluss in der Ragga- und Dancehall-Szene hat, wird in Jamaika äußerst reaktionär gelebt. In so einer Gesellschaft sozialisiert, ist es kein Wunder, homophoben Hass zu reproduzieren.
Zwar hat Elephant Man vor einigen Jahren einen Vertrag (Reggae Compassion Act) unterzeichnet, in dem er darauf verzichtet, in Europa homophobe Lieder zu singen. Dies hat jedoch nichts mit einem etwaigen Umdenken oder Einsicht zu tun, sondern ist äußerst halbherzig geschehen und nur aus Profitinteresse.

Haltung der Veranstalter
Nach ersten Protesten haben sich die Veranstalter, Glücklich Ent., Running Irie Sound sowie der Jakobshof Aachen, in einer Stellungnahme an die Öffentlichkeit gewandt. Darin verteidigen sie ihr Vorhaben, Elephant Man auftreten zu lassen.
Auf unsägliche Weise relativieren sie die Problematik. So schreiben sie zwar, dass Homophobie in der jamaikanischen Gesellschaft – und somit auch der Kultur – “bedauerlicherweise” verankert sei. Das hindere sie jedoch nicht daran, solche Musik zu hören (und mit solchen Konzerten zu verbreiten!), da für sie nicht die Homophobie das Motiv sei, sondern die Musik. Im weiteren versuchen sie, mit dem Fakt, dass der Ober-Sexist Bushido einen Bambi für Integration bekommen hat, ein Übel mit dem anderen aufzuwiegen. Scheinheilig versuchen sie zu argumentieren, dass ein Verbot des Konzertes keine Probleme lösen würde. Dem stimmen wir zwar zu – wichtig ist eine offene Auseinandersetzung innerhalb wie außerhalb der Szene. Lässt man Hassprediger wie Elephant Man jedoch auftreten, führt das dazu, dass Homophbie weiter salonfähig gemacht wird!

Gegen das Elephant Man-Konzert am 15. März in Aachen!
Deswegen bleiben wir bei unserer Forderung, dass Elephant Man keine Bühne geboten werden darf. Wie wir gegen Homophobie vorgehen, gehen wir gegen alle anderen Spaltungsmechanismen vor: Rassismus, Sexismus, Nationalismus etc. Uns schwebt eine Gesellschaft vor, wo niemand aufgrund vor Herkunft, Aussehen, Geschlecht oder sexueller Orientierung diskriminiert wird. Elephant Man vertritt auf übelste Weise rückwärtsgewandte Ideale, die wir nicht akzeptieren können. Ende Januar wurde er wegen Vergewaltigung festgenommen.
An die Veranstalter, Glücklich Ent., Running Irie Sound und den Jakobshof Aachen, stellen wir die Forderung, das Konzert ersatzlos zu streichen. Stattdessen könnten nachmittags Diskussionen zur Problematik angeboten werden, und abends eine Queer-Party. Mit der aktuellen Haltung ist die pseudo-Auseinanderstzung mit der Problematik bestenfalls scheinheilig.
Von der Szene wünschen wir uns eine klarere Haltung – nicht nur in Deutschland, sondern überall. Eine (Sub-)Kultur, die aus Unterdrückung und dem Wunsch nach Freiheit entstanden ist, kann Homophobie und sogar Mordaufrufe nicht dulden!
Von lokalen Reggae-, Ragga- und Dancehall-KünstlerInnen wünschen wir uns eindeutige Stellungnahmen. Darüberhinaus würde es kaum schaden, die Problematik auch offen in Songs anzusprechen – damit könnte erreicht werden, dass ein für alle Fans angenehmes Klima auf den Parties und Konzerten herrscht.

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