Archiv für April 2011

Protest gegen Sarrazin-Lesung in Aachen

Thilo Sarrazin, der Autor der Hetzschrift „Deutschland schafft sich ab“, plant, am 25. Mai in Aachen im Forum M aus seinem Buch vorzulesen.
Die linksjugend [’solid] Aachen hat einen Offenen Brief verfasst mit dem Ziel, dass diese Veranstaltung abgesagt wird. Sollte die Veranstaltung nicht abgesagt werden, werden wir Proteste organisieren.

Den Offenen Brief findest Du hier:
*click*

Weitere Infos folgen – stay tuned!

Hintergründe zu Atomkraft

Wir haben einen ausführlichen Flyer geschrieben, der vor allem auf unsere Forderung nach dem sofortigen Aus für Atomkraft sowie auf Ökostrom und Atomwaffen eingeht.

Du kannst die wichtigsten Inhalte hier lesen:
>>Atomkraftwerke: Die Konzerne strahlen!
>>Atomausstieg selber machen…
>>Atomwaffen abschaffen!

Hier kannst Du den Flyer als A3-Kopiervorlage runterladen (mit weiteren Fakten, Terminen, Ideen, was Du machen kannst u.v.m. …):
*click*

Atomkraftwerke: Die Konzerne strahlen!

Atomkraft ist unberechenbar. Atomkraft ist saugefährlich. Atomkraft ist extrem ungesund. Das dürfte spätestens seit den Ereignissen in Fukushima jeder und jedem klar sein. Die Stromkapazitäten (156 GW) in Deutschland übersteigen den Spitzenverbrauch (82 GW) fast um das doppelte. Alle Atomkraftwerke (19,6 GW) könnten sofort abgeschaltet werden. Außerdem gibt es schon längst genügend Technologien, die in der Lage sind, unbegrenzt Strom für die Welt zu erzeugen. Warum schaltet man die Dinger dann nicht sofort ab?

Profitsystem
Keiner hat Interesse daran, dass uns so ein Ding um die Ohren fliegt und für hunderte von Jahren unsere Umwelt verseucht. Keiner hat Interesse daran, dass der Atommüll in völlig undichten Zwischenlagern 10 000ende Jahre weiter das Grundwasser verstrahlt. Richtig. Aber der kleinen Gruppe von Leuten, die entscheidet, ob die AKW’s weiter in Betrieb bleiben oder nicht, ist es angesichts der riesigen Profite, die sich mit Atomkraft machen lassen, relativ egal, was die Bevölkerung von ihr hält. Das ist Kapitalismus. Ein System, indem Konzerne dazu gezwungen sind, maximalen Profit zu machen, um zu existieren. Und da sind AKW’s, mit 1 Million Euro Gewinn pro Tag pro AKW genau das Richtige. Atomstrom ist nicht billig. Er wird nur billig verkauft, weil wir dafür zahlen. Ohne Subvention und bei gleicher Haftung würde Atomstrom das zehnfache kosten, wie normaler Strom. Die Geschichte und das tägliche Leben beweisen, dass das Profitstreben der Konzerne und Umweltschutz in konkretem Gegensatz zueinander stehen.

Fight the System
Deswegen dürfen wir nicht darauf hoffen, dass Energiekonzerne und ihre geschmierten Politiker einsichtig werden und im Interesse der Mehrheit der Bevölkerung handeln. Wir müssen deshalb eine Massenbewegung auf die Beine stellen, die den Ausstieg erzwingt und dieses ganze Profitsystem in Frage stellt. Wir müssen für ein System kämpfen, das im Interesse der überwältigenden Mehrheit der Welt und ihrer Umwelt ist.
Smash Capitalism! It’s time for Socialism!

Atomausstieg selber machen…

…heißt auch eine Webseite. Während man auf den Seiten auch aktuelle Protesttermine findet, geht es vor allem darum, den Stromanbieter zu wechseln. Ist das der Weg, die Atommafia zu bekämpfen?

Ökostrom = Ökostrom?
Es gibt zwei Sorten von Ökostromanbietern. Die großen Konzerne bieten Ökotarife an, für die man mehr zahlt, um angeblich regenerative Energien zu stärken. Das ist aber Verarsche! Weil für alle, die beim gleichen Konzern den normalen Tarif zahlen, sich einfach der Anteil von regenerativen Energien verringert. Denn die Gesamtmenge von eingespeistem Atom-, Kohle- und Ökostrom ändert sich nicht.
Darüber hinaus gibt es mehrere Ökostromanbieter, die halbwegs verlässlich nur Ökostrom anbieten und auch nicht tricksen (glaubt man zumindest). Teilweise sind es Genossenschaften, die von UmweltaktivistInnen aufgebaut wurden. Erstmal Hut ab vor der ganzen Arbeit, die sie da reingesteckt haben.

Reicht das?
Doch damit haben wir den Atomkonzernen nicht das Handwerk gelegt. Kannst du in der Schule bestimmen, woher der Strom kommt? Oder in der Industrie oder dem Supermarkt? Die Bahn fährt zu 25 % mit Atomstrom! Nur 22,6 % des gesamten Stroms wird in den privaten Haushalten verbraucht. Das heißt, wenn selbst die Hälfte aller Privathaushalte auf Ökostrom umsteigt, macht das nur ein Zehntel des gesamten Stromverbrauchs aus.
Aber stell dir vor, alle würden morgen den Stromanbieter wechseln und auf einen Schlag zu Ökostrom wechseln. Die Anbieter würden gar nicht nachkommen, die Kapazitäten aufzubauen. Lichtblick (ein Ökostrom-Anbieter) hat 2008 Strom aus Kohle- und Atomkraftwerken kaufen müssen, weil ihre Kapazitäten nicht gereicht haben. Private Unternehmen würden gegeneinander und aneinander vorbei planen und wirtschaften. Regionale und technische Besonderheiten würden nicht berücksichtigt werden.

Atomausstieg selber machen!
Der Atomausstieg muss anders aussehen. Nicht individuell und langsam, sondern gesellschaftlich und sofort. Die AKWs müssen sofort abgeschaltet werden. Dem ganzen Wahnsinn von Konkurrenz und Markt muss ein Ende bereitet werden. Wenn die Energiekonzerne enteignet werden, könnte man demokratisch und sinnvoll planen, wie der Strom am besten produziert wird, um für alle ökologischen und möglichst billigen Strom zur Verfügung zu stellen. Finanzieren kann man das durch die Gewinne und Vermögen der großen Konzerne, die im Moment von Großkundenrabatten profitieren.
Das müssen wir erkämpfen. Atomausstieg selber machen, heißt jetzt aktiv werden. Es stehen Großdemonstrationen an, zu denen mobilisiert werden muss. Wenn die Atomkraftwerke wieder ans Netz gehen sollen, müssen wir sie blockieren. Streiks der Beschäftigten können die Atomkonzerne in die Knie zwingen und da treffen, wo es ihnen weh tut: beim Profit. Im September 2010 streikten 6000 IG-Metaller zum dritten Mal gegen Atommüll im Schacht Konrad. Wir brauchen eine sozialistische Perspektive, wie wir von unten Energiewirtschaft und Gesellschaft demokratisch planen können. So könnten wir auch sicherstellen, dass die – unbedingt nötige – Umstellung auf 100% regenerative Energie nicht durch höhere Kosten auf die Mehrheit der Bevölkerung abgewälzt wird.

Atomwaffen abschaffen!

Anfang August 1945 warfen US-amerikanische Flugzeuge 2 Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki ab. 220 000 Menschen starben, unzählige trugen Folgeschäden davon.
Nach diesem „durchschlagenden Erfolg“ begannen die Weltmächte in Ost und West erst richtig mit der atomaren Aufrüstung, zeitweise stand die Welt nur ein Fußbreit vor dem Abgrund des Atomkrieges. Unzählige Atomwaffentests wurden durchgeführt. Zur Verteidigung der „Freien westlichen Welt“ wurden auch mehrere Dutzend atomare Sprengköpfe in Deutschland stationiert, wo sie sich teilweise bis heute befinden.

Nein zu Atomwaffen damals und heute
Das entzündete eine heftige Widerstandsbewegung. Zusammen mit dem Kampf gegen Atomkraft und andere kapitalistische Missstände wurde die Forderung nach Frieden und atomarer Abrüstung zu einem zentralen Thema der sozialen Massenbewegung in der BRD in den 50er bis 80er Jahren.
Doch nach dem Ende des Kalten Krieges war noch lange nicht Schluss: Unter anderem im Kosovokrieg 1999, an dem auch Deutschland beteiligt war wurden von der NATO zehntausende „panzerbrechende“ schmutzige Bomben (ummantelt mit nicht-spaltbarem Uran) abgeworfen, was bis heute zu Krebserkrankungen und anderen Schädigungen bei der Bevölkerung führt. In Libyen werden sie heute wieder eingesetzt.

Vom Kraftwerk zur Waffe
Ein Atomkraftwerk liefert als Nebenprodukt Material für Atombomben und nukleare Munition. Die Option, Komponenten für Atomwaffen zu haben, war immer ein Motiv für Atomkraftwerke – auch in Deutschland.
Taktische Atomwaffen – so genannte „Mininukes“ – sind unter Kriegstreibern voll im Trend.
Wer Atomwaffen besitzt, hat politische Macht (siehe ständige Mitglieder des UN-Sicherheitsrates). Und politische Macht bedeutet auch immer wirtschaftliche Macht. Acht Staaten verfügen über mindestens 22 000 einsatzbereite Atombomben. Damit könnte man die gesamte Menschheit zehn Mal endgültig auslöschen. Doch wozu brauchen sie überhaupt so viel mehr als sie je einsetzen könnten?

Kapitalismus
Im Kapitalismus herrscht eine ständige Konkurrenz zwischen Konzernen und ihren Staaten. Die derzeitigen Atommächte bekämpfen neue Mächte, die ihnen feindlich gesinnt sind, natürlich energisch. Kein Staat würde freiwillig so weit abrüsten, dass er einen Machtverlust in Kauf nehmen müsste. Viele FriedensaktivistInnen haben nach Ende des Kalten Krieges auf ein Ende des atomaren Zeitalters gehofft. Doch es geht gerade so weiter. Die Konkurrenz zwischen Konzernen und ihren Staaten liegt im Wesen des kapitalistischen Systems. Nur in einer wirklich sozialistischen Gesellschaft, in der Menschenleben vor Profit gehen, kann dieser Konflikt der Herrschenden, der mit Atombomben bestritten wird und die ganze Menschheit gefährdet, aufgelöst werden.