Kommunismus – na klar!

Zur Debatte um Gesine Lötzsch‘ Beitrag in der jungen Welt

„Er ist gut für dich, erkundige dich nach ihm. Die Dummköpfe nennen ihn dumm, und die Schmutzigen nennen ihn schmutzig. Er ist gegen den Schmutz und gegen die Dummheit. Die Ausbeuter nennen ihn ein Verbrechen, aber wir wissen:
Er ist das Ende der Verbrechen. Er ist keine Tollheit, sondern Das Ende der Tollheit. Er ist nicht das Rätsel, sondern die Lösung. Er ist das Einfache, das schwer zu machen ist.“

Bertolt Brecht

Gesine Lötzsch‘ Beitrag in der jungen Welt „Wege zum Kommunismus“ hat zu heftigen Diskussionen über Kommunismus und Sozialismus geführt und die Gemüter bürgerlicher Medien und Politiker erregt. Auf breiter Front wurde DIE LINKE angegriffen und verurteilt. Am weitesten ging dabei CSU-Generalsekretär Dobrindt. Er forderte die flächendeckende Bespitzelung und die Prüfung eines Verbotsverfahrens.

Alle bürgerlichen Medien, ob nun SPIEGEL, FOCUS, die Springer-Presse oder andere, prangerten an, es handele sich beim Kommunismus um ein Unrechtssystem, eine Diktatur. Sie behaupteten, das stalinistische System, welches im Ostblock herrschte, sei gleichzusetzen mit dem Wort Kommunismus. Bezeichnenderweise findet sich diese falsche Gleichsetzung solcher Systeme mit dem Kommunismus auf Seiten von AntikommunistInnen und StalinistInnen gleichermaßen.

Offenbar vergessen haben bürgerliche Politiker, dass sie ihre sogenannte „freiheitlich-demokratische Grundordnung“ bei Stuttgart 21 und in Gorleben mit Tränengas und Knüppeln durchsetzten.

Gesine Lötzsch machte einen Angriff leicht. In ihrem Beitrag ist nicht ganz klar zu erkennen, welche Haltung sie zu den stalinistischen Regimen im Ostblock hat. Das macht deutlich wie dringend es ist, dass DIE LINKE ihre Haltung zu den stalinistischen Systemen breit diskutiert.
Richtig ist es aber, Gesellschaftsalternativen zu diskutieren. Die tiefe Wirtschaftskrise in den vergangenen Jahren, Umweltkatastrophen wie im Golf von Mexico, Armut und Verelendung in vielen Teilen der Erde zeigen: Der Kapitalismus funktioniert nicht. Gerade für Jugendliche sind die Zukunftaussichten alles andere als rosig.

Ob als billige Arbeitskraft in McJobs, ob als junger Flüchtling aus Afrika oder als Studentin und Schülerin in überfüllten Hörsälen – Jugendliche von heute brauchen keine plakative Anti-Kommunismus-Hetze. Vielmehr brauchen wir eine Debatte darüber, was Kommunismus ist, sein könnte und wie mensch dahin kommt.

In das Wort Kommunismus wird von verschiedenen Seiten vielerlei hineininterpretiert. Wir wollen dieses Wort wieder positiv besetzen.
Kommunismus ist für uns eine freie Gesellschaft ohne jede Unterdrückung. Grundlage solch einer Gesellschaft ist es, dass nach den Bedürfnissen der Menschen und der Umwelt und nicht nach Profitinteresse einiger Weniger produziert wird. Es ist für uns eine Gesellschaft, in der Alle mitwirken und teilhaben können, „jeder nach seinen Fähigkeiten und jedem nach seinen Bedürfnissen“ (Marx). Es ist eine Gesellschaft, in der die arbeitende Bevölkerung entscheidet wie der Reichtum, der produziert wird, verteilt wird. Es ist eine Gesellschaft, in der die Menschen demokratisch ihre Lebenswelt gestalten können, ob im Betrieb, in der Schule, an der Universität oder im Wohnumfeld.

Für uns hat so eine Gesellschaft nichts gemein mit den stalinistischen Systemen, die es im Ostblock gab, wo eine Minderheit von abgehobenen Bürokraten über die Mehrheit herrschte.
Innerhalb, aber auch außerhalb der LINKEn brauchen wir eine Debatte – für eine andere Gesellschaftsform – für den Kommunismus!