Der Maghreb ist überall!

Der weltweite Kampf um die Zukunft hat gerade erst begonnen!
In den nordafrikanischen Ländern Tunesien und Algerien sind überwiegend von Jugendlichen getragene Proteste binnen kürzester Zeit in einen allgemeinen Volksaufstand umgeschlagen, der sich gegen Armut, Arbeitslosigkeit, Preiserhöhungen, politische Unterdrückung und allgemeine Perspektivlosigkeit richtete. Aus einer von Jugendlichen getragenen Protestbewegung wurde ein Aufstand, der den korrupten Diktator Ben Ali in die Flucht ins Exil gejagt hat.

Tunesien – Diktatur und kapitalistisches Vorzeigeland
Die Bewegung begann in Tunesien, das unter dem Diktator Ben Ali -der ein Freund der USA und der EU war- litt. Tunesien galt jahrelang als Vorzeigeland des Kapitalismus, mit einem ausgezeichneten Bildungssystem und einem rapiden Wirtschaftsaufschwung. Doch hier haben bei weitem nicht alle profitiert und die Krise der kapitalistischen Weltwirtschaft hat das Land mit voller Härte getroffen. Besonders junge Menschen, auch solche mit akademischen Abschlüssen, stehen ohne Perspektive da.
Die Jugendarbeitslosigkeit beträgt 21,3%, in manchen Regionen des Landes sogar 70%! Massenhaft bekommen UniversitätsabsolventInnen trotz Diplom keinen Job, von dem sie leben können. So war auch der Anlass für die massive Proteste, die Selbstverbrennung von Mohamed Bouazizi, eines verzweifelten 34-jährigen arbeitslosen Mannes, der trotz Universitätsabschluss seit Jahren keine Arbeit bekam. Er starb mit den Worten „Gegen Armut! Gegen Arbeitslosigkeit!“, bevor er sich vor einer Menschenmenge selbst in Brand steckte.

Spontane Proteste lösten einen Flächenbrand aus
Der schreckliche Tod des jungen Mannes hat Millionen im Land wachgerüttelt. Schnell flammte der Kampf auch im Nachbarland Algerien auf. Vor allem Jugendliche gingen auf die Straße. Das vom spontanen Aufflammen des Widerstands erschreckte Regime Ben Alis ließ die Armee aufziehen, Elitepolizisten erschossen viele DemonstrantInnen. Diese Verbrechen haben die Entschlossenheit der Aufständischen doch nur noch weiter angestachelt, sodass Ben Ali und seine engsten Schergen fluchtartig das Land verlassen mussten. Die Bewegung wurde von keiner Organisation geleitet, sondern entstand spontan von unten. Medien wie facebook und twitter spielten eine große Rolle dabei. Auch war die Bewegung, die sich allein an sozialen Forderungen orientierte, frei von islamistischem Einfluss. Das mussten sogar die bürgerlichen Medien in den USA und Europa zugeben.

Unabhängige politische Organisierung ist nötig
Der flüchtige Diktator von Tunesien wurde von einem Mann aus der zweiten Reihe des Regimes ersetzt. Damit ist das verkommene Regime immer noch an der Macht. Aber die Massen haben ihre Macht und Kraft gezeigt und ungeheures Selbstvertrauen entwickelt. Jeder neue Machthaber steht nun unter ihrem Druck und kann sich so schnell keine neue Konfrontation mit ihnen erlauben. Außerdem sind die Probleme, gegen die sich die Proteste richteten, auf der Grundlage des Kapitalismus nicht lösbar.
Deshalb stellt sich in Kürze die Aufgabe des Aufbaus von eigenen demokratischen Strukturen aus der Protestbewegung heraus. Auch braucht die beeindruckende Bewegung eine Organisation mit einem klar antikapitalistischen, sozialistischen Programm. Das ist umso dringender nötig, da alle großen Parteien an der Abwicklung der Bewegung arbeiten und mit den Henkern des alten Regimes die neue Regierung der „Nationalen Einheit“ stützen, anstatt ihnen und der Unterdrückung endlich den Garaus zu machen.

Schafft zwei, drei, viele Tunesien!
Was in einem Land passiert, bleibt nicht ohne Auswirkungen auf andere Länder der Welt. Das gilt umso mehr für den arabischen Raum, in dem man von Marokko bis zum Irak eine Sprache spricht. Zweifellos hat der Erfolg der Massen in Tunesien jugendliche MigrantInnen (nicht nur aus dem Maghreb) begeistert und kann daher auch politische Auswirkungen auf Europa haben. Erst recht wenn man bedenkt, dass sich Jugendliche nahezu überall Angriffen ausgesetzt sehen: Von Athen bis London, von Paris bis Rom und Madrid. In Großbritannien wehren sich SchülerInnen und Studierende gegen Kürzungen im Bildungswesen und die Verdreifachung der Studiengebühren, in Frankreich gibt es Massenproteste gegen Sarkozy. In Griechenland gab es im letzten Jahr sieben Generalstreiks und riesige Massenproteste. Nirgendwo kann der Kapitalismus Jugendlichen eine Zukunft jenseits von Prekarität und Perspektivlosigkeit geben. Doch überall fangen Jugendliche an, sich gegen die Zustände zu wehren. Tunesien hat uns gezeigt, wie aus der Wut über die Verhältnisse eine Kraft entstehen kann, die den Mächtigen das Fürchten lehrt und die Regierungen zu Fall bringen kann.

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1 Antwort auf „Der Maghreb ist überall!“


  1. 1 Kundgebung gegen Repression im Maghreb « linksjugend [’solid] Aachen Pingback am 23. Januar 2011 um 10:29 Uhr
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